Dienstag, 18. Oktober 2016

Deutsche Bank: Zurück zu den Wurzeln!?

Von Ralf Keuper

Viele Kommentatoren treibt die Frage um, ob und wie die Deutsche Bank zu alter Größe zurückfinden kann. Eine schlüssige Antwort bleibt indes aus. Soll die Deutsche Bank weiterhin eine führende Rolle im Investmentbanking anstreben, wenngleich "nur" auf europäischer Ebene? Sprechen die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte nicht dagegen? Sollte die deutsche Industrie die Bank stützen, da sie doch ein Interesse daran haben müsste, im Ausland von einem heimischen Institut begleitet zu werden? Braucht es eine Deutsche Bank? Ist die Wiederbelebung bzw. die Rückbesinnung auf die gute alte Deutschland AG der goldene Weg? 

Mit Blick auf die vergangenen Jahrzehnte lässt sich mit einiger Gewissheit feststellen, dass die Deutsche Bank ab Mitte der 1980er Jahre von ihrem bis dahin bewährten Erfolgsrezept mit den folgenden Zutaten Abschied nahm:
  • Regionalprinzip
  • Gemeinschaftsverantwortung
  • Relationship Banking 
Mit der Hinwendung zum Investmentbanking war der Wunsch verbunden, Anschluss an die großen amerikanischen Banken zu finden. Mit großer Bewunderung blickte man nicht nur bei der Deutschen Bank auf die angelsächsische Banking-Variante bzw. den Bankstil. Die Kommentatoren wurden nicht müde auf den Aufholbedarf der Deutschen Bank auf diesem zukunftsträchtigen Feld hinzuweisen - also in etwa eine ähnliche Situation wie heute. 
Dabei war die Deutsche Bank seit ihrer Gründung international ausgerichtet, und, man denke an das Beispiel Bagdad Bahn - einer der Pioniere im Investmentbanking, ohne allerdings unkalkulierbare Risiken einzugehen. Wichtig war der Bank jedoch immer ihre Verbundenheit mit dem Heimatmarkt, wie F. Wilhelm Christians ("Mister Deutsche Bank") in einem Interview betonte:
Seit der Gründung 1870 haben wir uns in höchstem Maße international betätigt, waren aber gleichzeitig immer fest in Deutschland verwurzelt. Unsere Stakeholder verbinden den Namen Deutsche Bank eng mit dem Standort Frankfurt - und das zu Recht. Die Deutsche Bank hat erheblich zum Aufbau der deutschen Unternehmens- und Bankenlandschaft beigetragen un die Entwicklung des Finanzplatzes Deutschland geprägt. Insofern ist sie mehr als eine Finanzinstitution. Auch um den Mitarbeitern eine klare Orientierung zu geben, dürfen wir nicht von einer zu anderen Strategie und Struktur wechseln. Aus Deutschland schöpfen wir die gewachsene Kraft, international mit Erfolg operieren zu können. Dem widerspricht in keinster Weise, durch Zukäufe oder Kooperationen im Ausland den Aktionsradius zu verbreitern. Entscheidend ist, dass die Unternehmenskultur der Deutschen Bank nicht verwässert wird (in: Borschtsch, Banken, Beuys: F. Wilhelm Christians - Der erste deutsche Investmentbanker) 
Auf die Frage "Wie bewerten Sie die zunehmende Amerikanisierung innerhalb der Deutschen Bank, auch mit Blick auf die Führungsstrukturen?" antwortete Christians:
Wir müssen das amerikanische Modell kapieren, nicht kopieren. .. Bei allen Strukturänderungen müssen wir unsere Unternehmensidentität bewahren. Als Bank sind wir in einem konservativen Geschäft tätig und auf unsere Reputation angewiesen. Der Name Deutsche Bank mit den dahinterstehenden Werten ist unser wertvollster Besitz (ebd.). 

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