Donnerstag, 20. Oktober 2016

firstwire - die digitale Plattform für Finanzierungen im Primär- und Sekundärmarkt

Von Ralf Keuper

Der Markt für die Vermittlung großvolumiger Finanzierungen ist selbst für Insider nicht immer leicht zu verstehen. Seine Wirkmechanismen erschließen sich nur selten auf den ersten Blick. Das gilt sowohl für den Primär- wie auch für den Sekundärmarkt

Um hier für mehr Vergleichsmöglichkeiten zu sorgen, hat die firstwire GmbH eine digitale Plattform, einen Online-Marktplatz entwickelt. Hier können Kommunen Darlehensanfragen einstellen, die Angebote vergleichen und über die genaue Vertragsgestaltung mit den Geldgebern direkt verhandeln (Primärmarkt). Weiterhin besteht die Möglichkeit, bereits bestehende Darlehen (Schulscheine, Kommunalkredite) zum Kauf anzubieten (Sekundärmarkt). 

Die Angebote werden zunächst anonym eingestellt. Bekundet ein Geldgeber sein Interesse an einem bestimmten Angebot, beginnt das bilaterale Verhältnis, d.h. Anfrager und Geldgeber nehmen die Verhandlungen auf. Die Kommunikation verläuft in gesicherten Chat Rooms, wobei die Verhandlungsschritte dokumentiert werden. Der eigentliche Vertragsabschluss findet dann direkt, im analogen Modus statt, da es sich um Geschäfte handelt, die für ihre Rechtsgültigkeit die persönliche Begegnung und die Schriftform erfordern. 

Firstwire versteht sich dabei nicht nur als Vermittler, der Käufer und Verkäufer zusammenbringt, sondern auch als Enabler, der die Infrastruktur zu Verfügung stellt. 

Pilotkunde der Plattform war die Stadt Essen. In einem Interview in der Zeitschrift Der neue Kämmerer (Der lange Weg zur Transparenz) äußerte sich der Kämmerer der Stadt Essen, Lars Martin Klieve, über seine ersten Erfahrungen. Die Stadt Essen platzierte über die Plattform ein Darlehen in Höhe von 5 Mio. Euro für die Liquiditätssicherung. Der Vorteil einer digitalen Plattform, so Klieve, bestehe darin, Angebot und Nachfrage effizient zusammenzubringen und für Transparenz in Sachen Marktpreisbildung zu sorgen. Dennoch bleibe der Kontakt zum Bankberater wichtig. Die Banken seien im Kommunalgeschäft, so Klieve, bis auf weiteres unersetzlich. 

Im selben Interview weist Jens Michael Otte, Partner von firstwire, darauf hin, dass man ein Stück weit die persönlich begleitende Funktion übernehme. Eine wichtige Aufgabe sei es derzeit, Kontakte aufzubauen und den Dialog mit Kommunen und Investoren zu führen. 

Firstwire verdient an jeder erfolgreich vermittelten Transaktion. Die Gebühren richten sich dabei an dem Finanzierungsvolumen. 

Bisher wendet sich das Angebot an Kommunen. Demnächst sollen auch mittelständische Unternehmen hinzu kommen. Ebenso ist geplant, den Aktionsradius in Europa auszudehnen. Analoge Schritte, die bisher noch in der Finanzierungsvermittlung anfallen, sollen nach und nach digitalisiert, die Bearbeitungsdauer soll verkürzt werden. Um den Bekanntheitsgrad der Plattform zu erhöhen und Netzwerkeffekte nutzen zu können, ist, so Gründer Michael Dreiner,  der Aufbau einer Community geplant. 

Gelingt es firstwire eine Plattform zu etablieren, die von vielen Investoren und Kommunen aktiv genutzt wird und dadurch eine echte Markttransparenz zu erzeugen, dann, so Lars Martin Klieve, sei sie eine interessante Alternative. Er werde die weitere Entwicklung daher mit großem Interesse verfolgen.


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