Mittwoch, 9. November 2016

Zum Einsatz biometrischer Verfahren im Banking

Von Ralf Keuper

Die Hoffnung geht um, dass sich durch den Einsatz biometrischer Verfahren die Sicherheitsrisiken im digitalen Banking beherrschen lassen. Einen guten Überblick der verschiedenen Methoden mit ihren Vorzügen und Defiziten geben Martin Arnold und Hugo Greenhalgh in Banking and biometrics: is your money really safe? Großen Raum nimmt darin die Spracherkennung (voice biometrics) ein. Die ersten Versuche stammen übrigens von Alexander Melville Bell, Vater von Alexander Graham Bell, der im Jahr 1867 ein Buch mit dem Titel Visible Speech. The Science of Alphabetics: Or Self-Interpreting Physiological Letters verfasste. Bell richtete seine Aufmerksamkeit darauf, wie etwas gesagt wird und welcher Stimmabdruck sich daraus ableiten lässt. Bell gilt als einer der Väter der Physiologischen Phonetik

Besonders weit geht die britische HSBC. Die Bank stützt sich bei der Identifizierung der Kunden auf 100 Merkmale der Stimme, wie Sprachgeschwindigkeit, Betonung bis hin zur Physiognomie des Kehlkopfs und der Nase. Die Frage ist nun, ob die Kunden tatsächlich so glücklich darüber sind, dass verschiedene, z.T. recht intime Merkmale zu ihrer Person von einer Bank zur Identifizierung verwendet werden. 
Das absolute Horrorszenario wäre, wenn die bei einer Bank hinterlegten biometrischen Daten gehackt werden und damit in unbefugte Hände geraten. 

Für die Zukunft erwarten Experten eine Kombination von verhaltens- und risikobasierten Verfahren bei der Identifizierung oder Authentifizierung, die auf Transaktionsebene ansetzen. 

Auch mit biometrischen Verfahren bleibt der Konflikt zwischen Bequemlichkeit und Sicherheit. Je größer der potenzielle Schaden, umso unbequemer wird der Authentifizierungsvorgang.

Dass es im Bereich Biometrie noch Sicherheitslücken gibt, wurde zuletzt auf der Privacy Week deutlich, worüber Warum Bezahlen per Selfie und Fingerabdruck nicht sicher ist berichtet. Ebenfalls einen kritischen Blick auf das Thema wirft Yana Welinder in Biometrics in Banking Is Not Secure

Mit den Möglichkeiten, die Identifizierung mittels Blockchain-Technologie und/oder Biometrie zu gewährleisten, befasst sich Alex Noble in Identity, Verification and Blockchains

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