Samstag, 17. Dezember 2016

Barbarians at the gate: Die Nabisco Story

Von Ralf Keuper

In den Literaturwissenschaften bezeichnet man Bücher, die ein Sittengemälde einer Epoche zeichnen, als Schlüsselromane. Ein bekanntes Beispiel ist Buddenbrooks von Thomas Mann. Hin und wieder können auch Sachbücher diesen Anspruch erfüllen. Um so einen Fall handelt es sich m.E. bei Die Nabisco Story. Ein Unternehmen wird geplündert. Das Buch wurde wenige Jahre nach der Veröffentlichung verfilmt, mit James Garner in der Hauptrolle. 


Die Erzählung/Reportage handelt von der Übernahmeschlacht um den Nabisco-Konzern im Jahr 1988. Mit dem bis dahin größten Takeover der US-amerikanischen Wirtschaftsgeschichte gelang es Kohlberg, Kravis, Roberts (KKR) sich die bis heute weitestgehend unangefochtene Spitzenstellung unter den Beteiligungsgesellschaften zu erobern. Vorausgegangen war dem Erfolg ein monatelanger, für alle Beteiligten nervenaufreibender Übernahmepoker, bei dem für einige Zeit das Managementteam rund um den damaligen Vorstandschef Ross Johnson als sicherer Gewinner aussah. Unterstützt wurde Johnson von der Investmentbank Shearson, unter dem damaligen CEO Peter Cohen. Weitere Bieter bzw. in dem Bietergefecht involvierte Akteure waren die First Boston, Salomon Brothers, Lazard, Drexel Burnham sowie die Banken, die die nötigen Kredite bereithalten sollten, darunter Bankers Trust. Entschiedener Gegner sog. Leverage Buy Outs (LBO) und damit von Henry Kravis und KKR war Ted Forstmann, Gründer von Forstmann Little & Company. Als Forstmann einsehen musste, dass er mit seinem Investmentansatz nicht genügend Verbündete beim damaligen Vorstand und Aufsichtsrat von RJR Nabisco um sich sammeln konnte, zog er sich grollend zurück.

Den Zuschlag erhielt, wie bereits erwähnt, die Bietergruppe um KKR und Drexel Burnham. Takeovers von noch weit größerem Volumen als RJR Nabisco sollten in den Jahren danach zur Gewohnheit werden. Ein Erfolg, wie die Übernahme von RJR Nabisco, blieb auch für KKR die Ausnahme. Das Geschäft entwickelte sich trotzdem prächtig. In den letzten Jahren verlief das Geschäft der großen Private Equity-Firmen ruhiger, wie vor wenigen Wochen in The barbarian establishment zu lesen war. 

Dennoch ist man bei KKR und anderen keinesfalls untätig - auch nicht in Deutschland. Erst vor wenigen Tagen gab KKR seinen Einstieg bei der GfK bekannt. Im November gab es Spekulationen über eine Beteiligung von KKR beim Schweizer Hersteller von Bankensoftware avaloq. Als weiteres Geschäftsfeld hat man bei KKR den Technologiesektor, insbesondere das Segment Fintech, entdeckt. Dafür wurde ein Fond mit ca. 700 Millionen Dollar aufgelegt

Zum Schluss ihres Buches Die Nabisco Story bemerken die Autoren:
Die Epoche - "die Roaring Eighties" - war ein goldenes Zeitalter. Man feierte das Siegen um jeden Preis in der "Casino Society", wie Felix Rohatyn sie einmal nannte. Die Investmentbanker waren halb Groupiers, halb Alchimisten. Sie zauberten wilde Pläne hervor, hämmerten, um sie zu rechtfertigen, immer neue und noch exotischere Computerberechnungen aus ihren Rechnern und ließen ihre Lockungen dann in einem "Teufelstanz" von den Konzernmanagern wirbeln. 
Im Jahr 2008 hielt Jon Friedman in 'Barbarians at the Gate,' two decades later resümierend fest: 
Meanwhile, the spirit of the 1980s may not be dead altogether. Word is, Oliver Stone is trying to make a sequel to the chronicle of Gordon Gekko. Timing is everything in life, and with Wall Street collapsing, "Wall Street" is especially relevant.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen