Sonntag, 15. Januar 2017

Aufstieg und Fall des Hauses Barings

Von Ralf Keuper 

Im 18. und 19 Jahrhundert war die Barings Bank das einflussreichste Bankhaus am Finanzplatz London. Allenfalls die Rothschilds konnten den Barings den Rang streitig machen, was ihnen im Laufe des 19. Jahrhunderts auch gelang. Der eigentliche Begründer der Barings-Dynastie war der aus Bremen stammende Kaufmann Johann Baring, der sich in Exeter niederließ, wo er eine florierende Handelsgesellschaft betrieb. Seine Nachkommen wandten sich dem Bankgeschäft zu. Spezialität des Hauses Baring war die Finanzierung von Staaten, vornehmlich des britischen Empire, das für die Kriegsführung auf Kapital angewiesen war. 
Die Barings Bank war ihrer Zeit häufig voraus, wie David Landes feststellt:
Die Barings-Bank war die erste ihrer Art; eine moderne Universalbank, die mit Gütern aller Art handelte und anderen Handelshäusern Geld lieh (in: Die Macht der Familie)


Ihren Aufstieg in die höchsten gesellschaftlichen Kreise Englands verdankt die Familie Francis Baring. Erste Anzeichen des Niedergangs zeigten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die Bank in eine bedrohliche Schieflage geriet. Im Jahr 1890 wurde der Bank ein Kredit an die argentinische Regierung zum Verhängnis. Das südamerikanische Land wurde von revolutionären Unruhen erschüttert. Hinzu kam noch der Abzug großer Geldsummen der russischen Regierung. Folge davon war, dass die Bank von anderen Geldhäusern, an vorderster Front dabei die Bank of England, gerettet werden musste. 
Gut 100 Jahre später befand sich die Bank erneut in einer existenziellen Krise. Verantwortlich dafür waren fehlgeschlagene Spekulationsgeschäfte eines Händlers in der Niederlassung Singapur - Nick Leeson
Anders jedoch als hundert Jahre zuvor, war die Bereitschaft der britischen Banken, Barings vor dem Untergang zu bewahren, gering - aus nachvollziehbaren Gründen, wie David Landes schreibt:
1890 hatten gute Gründe für die Befürchtung bestanden, ein Barings-Konkurs werde in einer Kettenreaktion den Zusammenbruch weiterer Handelsbanken nach sich ziehen. 1994 gab es nur noch eine Handvoll Handelsbanken, die als Aktiengesellschaften strukturierten Universalbanken waren um ein Vielfaches größer und stärker, der Untergang des Hauses Barings drohte die Branche allenfalls leicht erzittern zu lassen (ebd.). 
Kurzum: Die Barings-Bank war nicht mehr systemrelevant.  

Den Absturz von Barings hat Judith Rawnsley in dem Buch Der plötzliche Bankentod. Barings - die Insider Geschichte eindrucksvoll geschildert. 

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