Donnerstag, 19. Januar 2017

Digitale Identitäten erlangen strategische Bedeutung im Banking

Von Ralf Keuper

Langsam aber sicher bekommt das Management der Digitalen Identitäten im Banking strategische Bedeutung. Den öffentlichkeitswirksamen Startpunkt setzte das World Economic Forum mit seinem Bericht A Blueprint for Digital Identity.The Role of Financial Institutions in Building Digital Identity. Seitdem haben einige Banken und Beratungshäuser Studien und Beiträge publiziert, in denen die hohe Relevanz der digitalen Identitäten für das Banking betont wird. Exemplarisch dafür ist die UBS mit ihrem lesenswerten Digital Identity Whitepaper. Erwähnenswert sind weiterhin die Beiträge What will digital identity look like in financial services? Here are three possible scenariosHow to get started with digital identity und Are we heading for an identity crisis in fintech?.

In dem Report The value of digital identity to the financial service sector, der von Barclays gesponsert wurde, steht das von der britischen Regierung eingeführte Identitfizierungsverfahren GOV.UK.Verify und seine Eignung für das Banking im Mittelpunkt. 

Ein Anbieter, eine Branche alleine, darin sind sich die Marktbeobachter und Insider nach meinem Eindruck weitgehend einig, wird es nicht schaffen, "den" Standard für das Management digitaler Identitäten zu setzen. Es wird je nach Land unterschiedliche Verfahren geben, wie in Indien mit Aadhaar, in Estland mit e-Residency und Großbritannien mit GOV.UK.Verify. In Deutschland wird m.E. der neue Personalausweis (nPa) mit der eID eine entscheidende Rolle spielen, wovon Anbieter wie Authada profitierten dürften. 
Den Markt für digitale Identitäten werden sich private und staatliche Anbieter teilen. Der Staat wird dabei die Rolle einer Letztinstanz für die Verifikation der digitalen Identitäten übernehmen. Ergänzend dazu werden Telekommunikationsunternehmen, Automobilhersteller, Internetkonzerne, Banken und weitere Anbieter, wie aus dem Umfeld der Personal Information Management Systems, versuchen, die Nutzer für ihre Identity-Services zu gewinnen. Stand heute werden sich die Banken auf die Themen KYC, AML und Sicherheit konzentrieren. Ob und inwieweit es ihnen gelingt, die Kunden mit darüber hinausgehenden Services an sich zu binden, wie Roberto Contri in How to get started with digital identity an den Punkten Offerings, Revenue und Competitiveness thematisiert, muss sich noch zeigen. Die Chance besteht. 

Der Vorteil der Banken gegenüber Fintech-Startups besteht eindeutig in der Skalierung, dem Kundenstamm und den finanziellen Möglichkeiten. Mit der Umsetzung von PSD2 wie überhaupt mit dem Open Banking Paradigma ist auf Seiten der Fintech-Startups die Hoffnung verbunden, auch im Bereich der Digitalen Identitäten die Rolle des Schrittmachers zu übernehmen. Das Thema gehört m.E. jedoch eher in den Bereich RegTech. Vorstellbar ist, dass es auf diesem Gebiet, wie schon jetzt zwischen Fintech-Startups und Banken, zu Kooperationen kommen wird. 

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