Freitag, 3. März 2017

Robo Advisors: Guter Rat muss nicht immer teuer sein

Von Ralf Keuper

Statt das Gespräch mit dem Anlageberater ihrer Hausbank zu suchen, könnten die Kunden in Zukunft die Dienste eines digitalen Beraters in Anspruch nehmen, für den sich die Bezeichnung "Robo Advisor" durchgesetzt hat. Dank der Tatsache, dass Algorithmen zahlreiche Tätigkeiten übernehmen können, die bislang in die Zuständigkeit des Anlageberaters und anderer an den Transaktionen beteiligten Abteilungen der Bank fielen, steht den Normalverbrauchern ein bereites Spektrum an Anlagemöglichkeiten bereit, die in der Vergangenheit nur sehr vermögenden Kunden zugänglich waren. 
Mittlerweile kann der Anleger aus einer Vielzahl von Robo Advisors wählen, so dass es nicht immer einfach ist, die Übersicht zu behalten. Einen guten Einstieg bietet die Seite robo-advisor.de, die kürzlich 13 deutsche Robo Advisors getestet hat. Insgesamt kommt der Bericht zu einem positiven Resumee, d.h. die Anlage mittels eines Robo Advisors ist häufig im Vergleich zu der Anlage in klassische Fonds die günstigere und lukrativere Alternative. Diese Aussage wird durch weitere Tests bestätigt, wie in:
In ihrem Fintech Survey Report vom April 2016 bescheinigte das CFA Institute, dass vom Segment Robo Advising in den nächsten Jahren die größte Wirkung auf die Finanzwirtschaft ausgeht. 

Selbst die größten Enthusiasten gehen nicht davon aus, dass Robo Advisors die Anlageberater vollständig ersetzen werden. Der persönliche Kontakt ist in bestimmten Beratungssituationen nicht zu ersetzen. 

Viele Robo Advisors gehen dazu über, neben dem B2C- auch das B2B-Geschäft zu betreiben, wie Stephan Paxmann und Stefan Roßbach in dem Digital Wealth Management Factbook feststellen. Die Autoren erwähnen das Discussion Paper on automation in financial advice, in dem einige Risiken und Defizite der Robo Advisors benannt werden.

Das Vorhaben, den Markt mittels ausgefeilter Modelle zur Portfoliosteuerung, zumindest zeitweise zu schlagen, betrachtete Benoit Mandelbrot mit Skepsis und Ironie: 
Wir brauchen einen neuen Ansatz. Heutzutage ist der lehrbuchmäßige Aufbau eines Portfolios eher ein Spiel der Statistik als der Intelligenz: Man beginnt mit der Annahme, der Markt hätte jeder Aktie den richtigen Preis zu geschrieben, und so bleibt einem nur die Aufgabe, die einzelnen Werte für das Portfolio so zusammenzustellen, dass es den persönlichen Anlagezielen entspricht. Das ähnelt doch sehr einem Maler, der die Farben direkt aus der Tube verwendet, so wie vom Hersteller gemischt und etikettiert wurden. Wenn die Farben jedoch nicht vorgemischt ankommen, wird der Blick des Malers für Farbtöne, Intensität und Ausgewogenheit wichtiger. Wenn nun Aktien mit einem vorher bestimmten Kurs kommen, wenn das was den Kursbildungsprozess antreibt, komplizierter ist als erwartet, dann wird es ebenfalls wichtiger, wie geschickt der Anlagenverwalter gute Gelegenheiten ausfindig macht. In einer nicht nach Gauß geordneten Welt müsste der Investmentmanager sich seine hohen Gebühren in der Tat verdienen (in: Fraktale und Finanzen).
Robo Advisors wie Ginmon sind sich der Defizite der Standardnormalverteilung bei der Portfoliosteueurng, auf die Mandelbrot abhebt, bewusst. Auf Nachfrage teilt Ginmon mit, dass ihren Modellen die Log-Normal-Verteilungen zu Grunde liegen. Daneben wird für die Bestimmung der Konfidenzintervalle eine Monte Carlo - Simulation verwendet mit jeweils 10.000 Iterationen. Durch einen Value at Risk (VAR) Ansatz seien die Simulationen zu 95% treffgenau. 

Kritiker werfen  ein, dass die Robo Advisor noch keinen echten Stresstest, wie die Finanzkrise von 2007/2008, bewältigen mussten. Erst wenn sie diesen Test bestehen, d.h. die Verluste sich in Grenzen halten oder gar ausbleiben, könne man von einer echten Alternative bei der Geldanlage sprechen. Dem halten Vertreter aus den Reihen der Robo Advisor entgegen, dass gerade im vergangenen Jahr mit dem Kursturz an den Börsen im Februar, dem Brexit und der Trump-Wahl Szenarien die Kapitalmärkte beeinflusst haben, die in der Summe durchaus einem Stresstest, wenn auch nicht in demselben Ausmaß wie 200/2008, gleich kommen. 

Wir werden sehen. 

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