Mittwoch, 8. März 2017

There is no such thing as a challenger bank (PWC)

Von Ralf Keuper

Seit einigen Jahren hören und lesen wir, dass die etablierten Banken von neuen Mitbewerbern, die kaum Altlasten mit sich tragen und daher die Vorteile der fortschreitenden Digitalisierung für sich nutzen können, langsam aber sicher verdrängt werden. Bisher jedoch ist der große Sturm ausgeblieben; nur die wenigsten Kunden können mit dem Begriff Fintech, Open Banking, geschweige denn Challenger Bank etwas anfangen. Wenn die Kunden die langjährige Hausbank wechseln, dann so die Autoren von Who are you calling a ‘challenger’? How competition isimproving customer choiceand driving innovation in the UK banking market, meistens zu einer anderen etablierten Bank und nur in seltenen Fällen zu einer sog. Challenger Bank. Nicht nur deshalb sind die Autoren der Ansicht, dass es so etwas wie "die" Challenger Bank überhaupt nicht gibt bzw. dass der Begriff irreführend ist:
However, while the emergence of these new players is exciting, they are too often viewed as a single, homogenous group with identical challenges and opportunities. This report sets out to challenge such assumptions, to better understand the distinctive propositions these banks offer, and to identify the obstacles that stand in their way.
PWC identifiziert vier Gruppen, in sich die Challenger Banken in Großbritannien einteilen lassen:
  1. Mid-sized full service banks (Co-operative Bank, TSB)
  2. Specialist banks (OneSavings, Shawbrook, Secure Trust)
  3. Non-banks brands (Tesco Bank, Virgin Money, Sainsbury's Bank)
  4. Digital only bank (Monzo, Starling, Tandem)
Meistens, so zumindest mein Eindruck, wird der Begriff der Challenger Bank mit der Kategorie "Digital only bank" in Verbindung gebracht.
Bei allen Unterschieden der Geschäftsmodelle empfehlen die Autoren den Challenger Banken die Entwicklung einer stimmigen Open Banking Strategie. Hier sind die Digital Only Banken im Vorteil, da sie nicht an Altsysteme gebunden sind und in den meisten Fällen ohnehin eine Open-API-Strategie verfolgen. Wo es jedoch bei den Digital Only Banken hapert, ist die Skalierung, d.h. die Zahl der aktiven Kunden ist noch immer gering - sie liegt bei keiner der untersuchten Digital Only Banken bei über 100.000.
In den nächsten Jahren, so ein Tenor der Studie, wird die Zahl der Challenger Banken sinken; nur wenige werden den Spagat zwischen rascher Skalierung und Profitabilität schaffen und ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln. Das gilt in hohem Maß für die Challenger Banken mit Vollbanklizenz. Die regulatorischen Anforderungen sorgen hier für einen Kostenblock, der  im Tagesgeschäft erst einmal verdient werden muss. Früher oder später werden, ja müssen die Challenger Banken, der Logik des Bankgeschäfts folgend, zu "normalen" Banken werden.

Ein Standpunkt, den ich persönlich teile, wie in Online Banken - Ultima Ratio des Banking?. Überdies muss sich noch zeigen, ob das Open Banking Paradigma dazu führt, dass Bankdienstleistungen künftig in einem losen Verbund, einer Banking-as-a-Service Plattform erbracht werden und damit das herkömmliche Organisationsmodell einer Bank obsolet wird, ja sogar die Unsichtbare Bank vor unseren Augen entsteht. Was letzteres betrifft, bin ich skeptisch, wie in Ist die Bank der Zukunft unsichtbar?.

Weitere Informationen:

Rise of the challengers

Neo-banks shed ‘challenger’ label, PwC

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